Sommerrock Sew-Along: langer Tellerrock

Jetzt habe ich arg ausgelassen: nur beim ersten und beim letzten Termin dabei zu sein, ist natürlich keine ernstzunehmende Sew-Along-Teilnahme. Zeigen möchte ich meinen langen Tellerrock trotzdem, er ist nämlich schon jetzt ein Lieblingsstück und war total schnell genäht.

Tellerrock

langer Tellerrock

Genäht habe ich ihn aus zwei Halbkreisen, in die ich wiederum einen Halbkreis geschnitten habe, dessen Durchmesser sich aus meinem Bauchumfang von 85cm (abgenommen von einem gut sitzenden Rock) berechnet hat (Formel siehe unten). Dazu überall 1 cm Nahtzugabe. Ich habe das mal versucht aufzuzeichnen, ich hoffe es ist klar, was ich da gemacht habe, ansonsten bitte nachfragen.

Schnittmuster Tellerrock

“Schnittmuster” Tellerrock

Aufgezeichnet habe ich die Kreislinien mit Hilfe eines Nähmaßbandes. Zuvor habe ich den Stoff einmal gefaltet, so dass ich nur einen Viertelskreis zeichnen musste. Oben habe ich einen einfachen Bund angenäht, und ich habe mich dieses mal für einen Nahtreißverschluss entschieden, dann trägt er nicht so auf und der Bund wird hübscher. Außerdem habe ich die Rocklänge diesmal etwas kürzer gewählt ( 95 cm) dann wird er vielleicht auch nicht so schnell von der Rolltreppe gefressen 😉 Unten habe ich den Stoff einfach eng zweimal umgeschalgen und festgenäht. Gebraucht habe ich fast 4,5 Meter Stoff.

Ich finde, er schwingt ganz toll und ist bei sommerlichen Temperaturen genau das richtige Kleidungsstück.

Tellerrock2

lange Tellerröcke schwingen..

So und jetzt gehe ich mir endlich die anderen Röcke anschauen, die im Rahmen des Sew Along entstanden sind!

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Vogue Wickelbluse V8833

Für das vorletzte Weihnachtskleid hatte ich bereits überlegt, mir einen Wickelbluse nach dem Vogue-Schnitt 8833 zu nähen, habe mich aber dann doch dagegen entschieden. Beswingtes Fräulein hat mir damals entscheidende Hinweise gegeben zum Verlegen der Brustabnäher, die ich nun endlich umgesetzt habe. Nach einigen entmutigenden Versuchen mit gekauften Blusen und sogar einer sauteuren Maßbluse (die dann doch wieder über der Brust klaffte, zu sehen hier) bin ich froh, mit dieser Wickelbluse endlich eine annehmbare Lösung meines Blusenproblems gefunden zu haben, was man mir glaub auch ansieht 😉

Wickelbluse 1

Vogue 8833 (frisch gebügelt)

Wickelbluse2

am Ende des Tages (= nimmer frisch gebügelt)

Wickelbluse3

von der Seite

Wickelbluse4

von hinten

So und jetzt schaue ich damit beim Memademittwoch vorbei.

mein erster Tellerrock

Heute am Memademittwoch trage ich eines meiner ersten selbstgenähten Stücke überhaupt: meinen Karotellerrock (genäht nach der Tischtuchmethode, also aus einem ganzen Kreis). Ich habe ihn total oft an, es ist eines meiner meistgetragenen Kleidungsstücke (und das einzige, für das ich mal von einer Fremden ein Kompliment bekommen habe).

Die Bilder sind allerdings nicht von heute, sondern vom Wochenende in Helsinki, wo ich am Sonntag am  Winter Tweed Run Helsinki 2016 teilgenommen habe (meine Bilder davon hier!). Da ich am Freitag schon angereist war, hatte ich am Samstag Zeit für einen Stadtbummel und vor allem für einen Besuch dieses wunderbaren Museums für zeitgenössische Kunst Kiasma. Dort kam ich an dieser interessanten Spiegelinstallation vorbei und musste sie unbedingt für ein paar “melfies” (selfie with mirrow) nutzen.

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Melfie mit Tellerrock

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Frl. Notter im Kiasma in Helsink

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Spiegel im Kiasma

Hier noch ein paar Bilder von diesem wunderbaren Museum, das sich nicht nur wegen der Ausstellungen, sondern auch der Architektur und des Museumscafes (haben sogar ein eigenes Kochbuch herausgebracht) wegen lohnt.

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Kiasma Helsinki

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Menschen im Kiasma

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Kiasma Architektur

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von unten

Winter Tweed Run Helsinki 2016

Manchmal muss selbst ein Fräulein etwas ganz und gar Unvernünftiges tun. Beim Fräulein Notter hieß das letztes Wochenende: im Winter radfahren, ohne Funktionskleidung, 1500 km von zuhause entfernt, im für unsere Verhältnisse beinahe arktischen Helsinki. Die ganze weite Reise nur für den Winter Tweed “Run” Helsinki und nur für ein Wochenende. Aber ich sage Euch was: es war die vernünftigste Entscheidung seit langem.

Sometimes you have to be unreasonable: driving a bike in the winter, without “functional gear” (in fact wool is very functional), 1500 kms away from home in “arctic” Helsinki. The long journey only for one weekend and only for the Winter Tweed Run Hesinki 2016. But it proved to be one of the best decisions ever!

In Helsinki angekommen war es erstmal tatsächlich kalt, glatt und schnell mal dunkel, so dass selbst sie

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die Dame in meinem Zimmer

gefroren hat und ich sie

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mit Mütze und Schal versorgt

habe.

In fact ist was cold, slippery and dark (at least for me- the head of tweed run apologised for not beeing able to provide a real winter)

Nach einem ausführlichen Saunagang am Abend (bei dem ich gelernt habe, dass in Finnland Kinder und sogar Hunde in die Sauna gehen), einem kräftigen Frühstück am nächsten Morgen (inklusive Fleischbällchen!) und vor allem, nachdem ich mein rosa Pashley Poppy von diesem tollen Radladen, der mir das phantastischerweise  umsonst zur Verfügung gestellt hatte, abgeholt (und vorsichtig über Eisplatten zum Hotel geschoben) hatte, war ich schon wieder zuversichtlicher was den nächsten Tag betraf.

After being to the sauna, a hearty breakfast and after having collected my pink Pasley Poppy from this gorgeous bike shop I felt more confident concerning the next day.

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“mein” Pashley Poppy in pink von classicbike.fi

Außerdem habe ich in einem Second Handladen einen netten Rucksack gefunden für all die Ersatzsocken, Ersatzschuhe, Schirme etc. die ich zu brauchen glaubte.

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mein neuer Rucksack mit Handschuhen Britta

Am Sonntag dann nochmal ordentlich gefrühstückt (Hering, Reiskuchen, Speck, Obst, Haferbrei, Beerensauce und noch mehr Fleischbällchen) einen einigermaßen befahrbaren Radweg ausfindig gemacht und zum Senaatintori, dem Wintertweedrun Treffpunkt geradelt.

On sunday I had a huge breakfast with all those finish specialities, found a bike lane to the city center and drove to the Senaatintori, where the Tweed run was supposed to start.

Dort erstmal ein wenig schüchtern gewesen. Schließlich bin ich ein Fräulein und die finnischen Männer schienen mir auch eher wild und verschlossen (Frauen sind außer mir nur zwei weitere mitgefahren). Doch dann wurde es eigentlich wirklich nett und mit jedem Kilometer und jedem Getränk netter.

Arriving there I was kind of shy first. Those finish men looked kind of wild (only three women participating) and shy themselves but that changed kilomter by kilometer and drink by drink 😉

Und jetzt, man möge es mir verzeihen, folgt eine Bilderflut:

And now, I`m sorry about that, too much pictures:

 

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erste Beratungen

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Hochradgespräche

Katja aus Russland

Katja aus Russland

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vollkommene Eleganz

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einfahren

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letzte Anweisungen

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los gehts

Dann eine Pause bei einer Galerie (warm, pipi) und Genuß diverser mitgebrachter “stärkender Getränke”

First break at a art galerie (warm, wee ;-)) and consumption of various strengthening liquids.

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süßer starke estnischer Kräuterlikör

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Estnischer Teilnehmer mit estnischem Kräuterlikör, finnischer Teilnehmer nach estnischem Käuterlikör

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Fräulein Notter nach estnischem Kräuterlikör

Nach circa 4 km immer an der Küste entlang mit Blick auf nebelverhangende zugefrorene Meer

After a 4km-ride with view to the frozen foggy sea we arrived at the Recatta-hut and had warm beverages and cinnamon rolls

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Ankunft

an der

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Recatta- Hütte

dort Kaffee, warmen Saft und Zimtschnecken

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am Holzfeuer

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mit elegantem Herren

Und ich traue mich endlich, um ein Foto mit dem elegantesten Herrn der Gruppe zu bitten

And I finally I dared to ask for a photo with the most elegant chap of the group

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clashing colours- Rad am Meer

Mein Rad dagegen ruht sich aus und schaut verträumt aufs zugefrorene Meer.

My bike meanwhile dreamt by the seaside

Der letzte Programmpunkt (vor dem obligatorischen Pubbesuch natürlich) war der Besuch einer wunderschönen Jugenstilvilla am Meer, mit einem bezaubernden kleinen Ballsaal, in dem – ist das nicht eine ganz wundervolle Idee – nächstes Jahr ein Tanztee im Anschluss an den Tweed Run stattfinden könnte. Wenn die das schaffen, dann bin ich nächstes Jahr wieder dabei!

As last activity (before we drove to a pub of course) we visited a encredibly beautiful turn of the century villa with an adorable small “ballroom” where – what a great idea! – a afternoon dance is supposed to be held next year after the tweed run. If you should make that happen I´ll attend again next year!!!

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Villa Paulig

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Kamin im “Ballsaal”

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dort tanzen- ein kleiner Traum würde wahr

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welcher Ort könnte besser passen

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ich sehe uns alle schon in Tanzkleidern diese Treppe herunterkommen

Der härteste , unwirklichste und wahrscheinlich schönste Tweedride, den ich ich je erlebt habe. Danke! Kitos!

The hardest (the finish probably laugh now), most unreal and probably most beautiful Tweedride I ever attended. Thank you! Kitos!

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Gruppenbild mit Hochrad Winter Tweed Run 2016

Thanks a lot also to Katja for the photos of me and to the unknown main photographer, who took the group photo with my camera.

Einen ausführlichen Bericht zu Ablauf und Strecke findet Ihr hier.

Weihnachtskleid Sew-Along Teil 4: ich brauche Hilfe

Zunächst einmal: vielen lieben Dank für Eure vielen Rückmeldungen zu meinen Fragen letzten Sonntag! Da ich genug Stoff hatte, habe ich mich dann entschieden, das Oberteil zweimal zu nähen, einmal mit und einmal ohne Einlage. Und was soll ich sagen: ich bin mit beiden nicht wirklich glücklich. Aber seht selbst:

ohne Einlage

Oberteil ohne Einlage

Da ist diese komische Falte über der linken Brust ( für Euch die rechte, also die auf der linken Seite des Bildes- ist ja ein Spiegelbild; Problem besteht nur auf der einen Seite!) Gut, das könnte durch das Einsetzen von Futter und Ärmeln noch etwas besser werden, aber unruhig macht mich das schon.

ohne Einlage von vorne

ohne Einlage, von vorne

Von vorne sieht man dann auch, dass die gebogenen Nähte nicht wirklich schön sind.

Beim mit Einlage verstärkten Oberteil ist es allerdings auch nicht besser:

mit Einlage

Oberteil mit Einlage

Auch hier habe ich diese Falte und die Nähte sehen meinem Eindruck nach noch unschöner aus. Was würdet Ihr empfehlen? Mit Einlage oder ohne. Und auftrennen oder nicht? Und wenn auftrennen: irgendwelche Anpassungen vornehmen?

Vielen Dank schonmal!

PS: Wenn ich mir die Bilder so anschaue: offensichtlich bin ich trotz aller Nähprobleme fröhlich, das ist ja schonmal nicht schlecht…

PPS: weitere hoffentlich föhliche Weihnachtskleid-Näherinnen versammeln sich heute beim MeMadeMittwoch

 

Memento mori …und die Bucket -List

Totensonntag

Grabplatte auf dem Zentralfriedhof, Wien

Vorbemerkung: während es im letzten Posting, dem über Komplimente, zumindest noch am Rande um selbst Genähtes ging, hat das hier gar nichts mit Nähen und auch nichts mit Stoffen und Textilien zu tun. Wer hauptsächlich deswegen hier ist,  der/die möge stattdessen auf das morgige Posting zum Weihnachtskleid Sew Along warten.

Seitdem ich in einer katholischen Gegend lebe, bekomme ich das nicht mehr so mit, aber morgen ist Totensonntag. Wenn man sich da an die Toten erinnert, dann ist man zwangsläufig auch damit konfrontiert, dass man selbst nicht ewig leben wird, konfrontiert mit den schrecklichen Ereignissen von Paris, selbst in einer Großstadt lebend, gerade jetzt umso mehr. Bei mir dazu gekommen ist ein seltsames Phänomen (und das erzähle ich hier, weil mich hier niemand kennt ;-)): ich hatte ein einige Tage lang ein Zucken an der Oberlippe. Sowas ist in den allerallermeisten Fällen total harmlos aber in ganz ganz seltenen Fällen kann es auch der Vorbote einer schweren Nervenkrankheit wie ALS sein. Und da ich einen leichten Hang zur Hypochondrie habe, habe ich mich gefragt, was wäre, wenn ich diese Krankheit hätte und nun entsprechend erfahren würde, dass ich nurmehr 3-5 Jahre zu leben hätte. Was würde ich tun?

Da sind mir dann schon eine Dinge eingefallen, die ich dann noch würde tun wollen würde. Und die habe ich mir notiert. Und noch beim Aufschreiben dachte ich: Mensch, was machst Du da eigentlich? Das ist ja im Grunde eine Bucket-List und sowas wollte ich ja nie, das fand ich eigentlich immer ein wenig blöd.

Warum ich Bucket-Lists doof finde?

Also zunächst mal für alle die keine Life-Style-Blogs lesen: Eine Bucket-List ist eine Liste von Dingen, die man machen will, bevor man stirbt (“to kick the bucket” ist so etwas ähnliches wie “ins Gras beißen”). Glaubt man den Bucket-Lists, die so im Netz herumgeistern, besteht die Essenz allen menschlichen Strebens im Schwimmen mit Tieren, im Besuchen verschiedener touristischer Ziele und im Veröffentlichen von Büchern. Es ist super, wenn man sich was vornimmt und Spaß hat im Leben. Finde ich auch, und wem eine Bucket-List dabei hilft: go for it!

Ich hab da was mich betrifft meine Vorbehalte

  • Eine Bucket-List ist eine to-do-Liste. Eine to-do- Liste ist eine hilfreiche Sache, wenn man viele Dinge tun  muss, z.B. in der Arbeit oder um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. In allen anderen Lebensbereichen will ich nichts mit to-do -Listen zu tun haben, schon gar nicht will ich mein Leben als Ganzes anhand einer solchen abarbeiten.
  • Ich habe auch Träume. Aber die ändern sich. Vor ein paar Jahren wäre auf meiner Bucket-List sicher noch eine Japanreise gestanden. Wüsste ich jetzt, ich müsste sterben ohne in Japan gewesen zu sein, ich wäre nicht besonders traurig.
  • Ich würde nur Dinge auf eine Bucket-List schreiben wollen, die eine gewisse Dringlichkeit haben. Wenn sie die aber haben, dann tu ich sie gleich oder zumindest bald, ich nehme mir nicht vor, sie in den nächsten 20 oder 50 Jahren irgendwann zu tun.

Warum habe ich dann aber so eine Liste gemacht?

Die Liste, die ich geschrieben habe, war unmittelbar von dem Gedanken inspiriert, was ich tun würde, wenn ich nur noch kurz zu leben hätte: welche Dinge sind noch wichtig, welche noch “offen”? Und zwar wichtig und “offen” für mich als die Person, die ich jetzt bin. Gedacht habe ich mir beim Schreiben nicht viel, aber danach ist mir etwas wichtiges für mich klar geworden: wenn das alles (oder zum Großteil) Dinge sind, die mir wirklich wichtig sind und wenn ich es doch nicht undenkbar ist, dass ich nicht erst in 50 sondern vielleicht schon in 10, 5 oder einem halben Jahr sterbe (memento mori), dann sollte ich diese Dinge jetzt tun, oder doch zumindest so bald wie möglich.

Um das tun zu können, ohne gleichzeitig all das zu vernachlässigen, was man nicht vernachlässigen darf, wenn man davon ausgeht, dass man wahrscheinlich doch ein Weilchen länger leben wird, muss man sich auf ein paar wenige wirklich wichtige (oder einfach zu realisierende) Dinge beschränken. Und so habe ich mir ein paar Dinge für die nächsten Monate vorgenommen und bin schon ganz aufgeregt, was ich davon wie realisieren können werde (und auch, was in ein paar Tagen schon wieder so unbedeutend geworden ist, dass ich es wohl doch nicht tun muss).

Eine Sache habe ich schon gemacht und da war nicht der Gedanke leitend, dass ich sterben könnte, sondern eine andere Person (die, die es betraf, ist deutlich älter). Meine Oma ist vor 2 Jahren gestorben und es gibt so viel, was ich ihr gerne noch gesagt hätte oder gerne noch für sie getan hätte, und ich möchte, dass ich nie mehr jemandem in dieser Form so viel schuldig bleiben muss. In sofern ist die Liste nicht nur inspiriert von einem  “Mensch bedenke, dass Du sterben musst”, sondern vor allem auch vom Gedanken daran, dass andere Menschen , die einem etwas bedeuten, nicht ewig leben werden

Ich hoffe ich habe Euch mit diesen Gedanken jetzt nicht traurig gemacht und wünsche Euch einen schönen Sonntag (was auch immer er für Euch bedeutet).

 

 

 

Am aufsteigenden Ast

im Botanischen Garten

im Botanischen Garten

Nachdem mir hier so viele von Euch gute Besserung gewünscht haben und liebe Grüße und Gedanken da gelassen haben, über die ich mich sehr gefreut habe und die mir über eine schwierige und oft einsame Zeit hinweggeholfen haben, wollte ich Euch auch an den positiven Entwicklungen teilhaben lassen: Heute war ich nach langer, langer Zeit endlich mal wieder 20 Minuten im Botanischen Garten spazieren, fast ohne Gleichgewichtsprobleme und fast ohne Herzklopfen! Und es war so schön! Und ich will das jetzt jeden Tag machen (realistisch sein: fast jeden). Kurz nach meinem vorletzten Posting wurde von der Lungenärztin tatsächlich eine Lungenentzündung diagnostiziert und ich bekam ein weiteres Antibiotikum, dessen Beipackzettel zwar einem Horrorroman gleicht (da kann man diverse Tode sterben), das aber endlich angeschlagen hat. Das Fieber sank und ich konnte besser husten. Einen “kleinen” Rückschlag gabs dann vor etwas mehr als einer Woche als ich mit Atemnot (hatte ich vorher gar nicht) ins Krankenhaus gekommen bin, wo ich dann eine Nacht bleiben durfte (für mich hat sich das erstaunlicherweise wirklich wie “dürfen” angefühlt, endlich fühlte ich mich sicher und medizinisch/pflegerisch gut versorgt). Danach ging es dann wirklich bergauf. Das erste Essen, das ich mit Appetit gegessen hab, war interessanterweise das Krankenhausfrühstück- seitdem esse ich jeden Tag 4-5 Mahlzeiten: hauptsächlich Käse, Bohnen, Gemüse, Lebkuchen und (Vegetarier und Veganer bitte weghören): Fleisch! Scheine Eiweiß zu brauchen, was mich nicht wundert, wenn ich mir meine spindeldürr gewordenen Beinchen anschaue: dort wo früher die Stiefel kaum zuzubekommen waren, klafft ein 2 cm breiter Spalt. Schon erstaunlich, in welch kurzer Zeit sich der Körper verändern kann, wenn man ihn kaum bewegt. Entsprechend wackelig war ich bei den ersten Ausflügen auf den Beinen: der Weg zum Taxistand an der nächsten Straßenecke erschien mir beinahe unüberwindlich und ich war fertig und komplett außer Atem, als ich dort angekommen war. Umso erstaunlicher finde ich, dass die 20 Minuten im Park heute schon so gut geklappt haben, und ich bin zuversichtlich, dass ich bald wieder soweit hergestellt bin, dass ich arbeiten gehen kann und all die anderen schönen Dinge machen kann, die man im Krankenstand nicht machen kann (wie zum Beispiel im Stoffladen stöbern oder (warme) Unterwäsche kaufen :-)). Trotzdem wird es sicher noch einige Wochen bis Monate dauern, bis ich wieder ganz die Alte bin, aber damit kann ich gut leben.

Natürlich habe ich mich in den letzten Tagen immer wieder gefragt, warum ich eine Lungenentzündung bekommen habe: War es das Bad im 19 Grad kalten Attersee Mitte September? Habe ich mich bei der Husten mit Fieber-Krankheit meiner Sohnes angesteckt? Habe ich eine Viruserkrankung verschleppt? Vielleicht durch zu strenge Bettruhe? Nehme ich mir generell zu viel vor (auch in der Freizeit, z.B. beim Nähen)? Gibt es ein anderes, bisher unerkanntes Gesundheitsproblem? Eine wirkliche Antwort habe ich nicht gefunden. Vorgenommen habe ich mir aber, meiner Gesundheit in Zukunft wirklich eine höhere Priorität einzuräumen (wie mir auch viele von Euch geraten haben): mehr Bewegung draußen, besser Händewaschen, weniger Stress, mehr Spaß! Ich weiß, dass mich das alles nicht komplett vor Krankheiten schützen wird, aber hoffentlich werde ich ein wenig weniger häufig und weniger schwer krank sein. Euch vielen lieben Dank für die tolle Unterstützung! Passt auf euch auf!

Working Girl Sew Along- Ich muss leider aufgeben

Bettruhe erforderlich

Bettruhe erforderlich


Es sieht schlecht aus für den Working Girl Sew Along- ich muss leider aufgeben. Ich liege nun seit fast zwei Wochen mit hohem Fieber im Bett (Lungenentzündung? Grippe?), habe keinen Appetit und entsprechend kaum was gegessen. Ich nehme an, das hat Spuren an meinem Körper hinterlassen und irgenwelche Musselin-Anpassungen wären jetzt kaum sinnvoll-abgesehen davon, dass an Nähen, Schneiden und Stecken sowieso im Moment nicht zu denken ist. Da ich davon ausgehe, dass meine Genesung einige Zeit in Anspruch nehmen wird (wahnsinn, so krank war ich zuletzt als kleines Kind), habe ich mich schweren Herzens entschlossen, meine Working Girl Sew Along- Pläne aufzugeben (oder zumindest zu verschieben). Werde den Prozess bei den anderen aber natürlich weiterverfolgen und freu mich auf Eure Ergebnisse!

Das Reformkleid ist fertig…und wohin mich das führt

Projekt Reformkleid

Projekt Reformkleid

Beim MeMadeMittwoch zeigen heute Nähbloggerinnen, welche selbst genähten Stücke ihnen im Urlaub besonders Freude gemacht haben. Da ich im August nicht weg war, möchte ich Euch stattdessen zeigen, was ich in den letzten Wochen fertig genäht habe und auch ein wenig drüber nachdenken, wohin mich die Näherei in den nächsten Monaten führen soll. Vor ziemlich langer Zeit hatte ich schon mal die Rohversion eines Reformkleides genäht (es war eines meiner ersten “Werke” überhaupt). Es passte nicht richtig, es hatte keinen Reißverschluss, es fehlten Ärmel und gesäumt war es auch noch nicht. So hing es dann über ein Jahr am Schrank und ich wusste nicht recht, was ich damit anfangen soll. Für den Sommer hatte ich mir ja vorgenommen, eine Nähpause zu machen oder zumindest weniger zu nähen, und da hat mich das Reformkleid plötzlich wieder angelacht. Ich habe einen Reißverschluss eingenäht, einige Nähte wieder aufgetrennt, um die Möglichkeiten des Prinzessschnittes bis zu den Grenzen der Nahtzugabe auszunutzen, den Rockteil gesäumt und Armausschnitte und Ausschnitt einfach (quick and dirty) mit Schrägband versäubert. Ärmel und alles andere was ein jahrhundertwendeadäquates Kleid gebraucht hätte, wollte ich da gar nicht mehr, ich fand es so wie es war- roh- interessant. Und dann habe ich mich an meine Bluse vom Weihnachtskleid erinnert und siehe da, sie passte drunter und gemeinsam mit schnell noch gezauberten Spitzenärmelabschlüssen hat mich das Ensemble tatsächlich ein wenig an dieses Flöge-Kleid erinnert.

Ja und dann wurde gepicknickt:

Picknick mit Bär

Picknick mit Bär

..mit Alice von aliciouslog sowie zwei adretten Herren, die es vorziehen anonym zu bleiben.

Reformkleid

Reformkleid

Reformkleid von hinten

Reformkleid von hinten

“wie früher”

Reformkleid (am Abend leicht in Auflösung)

Zu meiner Überraschung trage ich das Kleid (das alles andere als perfekt ist und sicher ziemlich “selbst genäht” aussieht) auch im Alltag. Ich mag daran, dass ich weiß, dass es auf Grundlage eines sehr alten Schnittes entstanden ist, dass es aber durch seine Schlichtheit durchaus auch was Modernes hat.

Reformkleid im Alltag

Reformkleid im Alltag

...mit Mängeln aber auch Potential

…mit Mängeln aber auch Potential

Und das bringt mich zu meinen Zukunftsplänen fürs Nähen. Immer nur moderne Schnitte 1:1 nachzunähen, interessiert mich nur bedingt (ich mag das eigentlich nur machen, wenn ich mir so etwas besonders Schönes exakt nach meinen Vorstellungen nähen kann, was ich nicht kaufen könnte), historische Schnitte möglichst historisch korrekt nachzuarbeiten, interessiert mich aber auch nur bedingt (mit der Grund, warum ich meine ambitionierten Pläne bezüglich des “Historical Sew Monthly” aufgegeben habe- weiß nicht, ob es jemand gemerkt hat ;-)). Schließlich mag ich die Sachen im Alltag und nicht nur zu irgendwelchen Kostümevents tragen. Was mir vorschwebt, ist das fortzusetzen und auszubauen, was ich beim Reformkleid gemacht habe: auszuprobieren, wie sich historische (oder auch andere ausgefallenere Schnittideen und -kombinationen) für “moderne” Kleidungsstücke verwenden lassen, um letzten Endes noch mehr “mein eigenes Ding” machen zu können. Vielleicht entsteht ja auf diesem Wege bereits was für meine “Eisprinzessinnen-Wintergarderobe” vielleicht aber auch erst einmal nur eine Serie von untragbaren Musselins, was auch völlig OK wäre.

5 Gründe warum ich mir kein Dirndl nähen werde..oder an den Wurzeln des Unbehagens

Um mich herum werden fleißig Dirndl genäht und getragen: hier eine Trachten-Hochzeit, dort ein Wiesen-, Wasen-, Oktober-Fest, hier ein Dirndl-Nähkurs dort ein Sew Along. Ich hatte als Kind ein Dirndl (mit 8/9 Jahren, ein blaues, mit Schultertuch) und ich habe es heiß geliebt. Und ich interessiere mich noch heute für traditionelle und historische Kleidung, mag lange Röcke und verzierten Blusen. Trotzdem habe ich – vor allem seitdem ich in Österreich lebe – sehr gemischte Gefühle gegenüber dem Dirndl. Ich mag mir heute weder ein Dirndl kaufen noch nähen. Eine Einladung zu einer Trachtenhochzeit würde mich wohl in Verlegenheit bringen bzw. mich zur Lederhose greifen lassen (renitentes Crossdressing?).

mein erstes (und letztes ?) Dirndl

mein erstes (und letztes ?) Dirndl

Ist das nur eine ästhetische Präferenz, kein Dirndl tragen zu wollen? Ich glaube nicht, denn im Grunde verbinde ich seit einiger Zeit ein Unbehagen damit, das über ein ästhetisches Unbehagen hinausgeht und da habe ich angefangen, ein wenig zu recherchieren. Aber seht selbst! Hier meine 5 Gründe, warum ich keine Dirndl nähen möchte.

1. Der erste Grund ist bei genauerer Betrachtung vielleicht gar keiner, aber es war lange Jahre das, was ich gedacht und gesagt habe, wenn ich gefragt wurde und mich gefragt habe, warum ich kein Dirndl möchte. Ich stamme aus einer Region in Baden-Württemberg, in der sich keine Tracht erhalten hat. Wenn ich ein Dirndl trüge, würde ich, dachte ich zumindest, etwas tun, was mir im Grunde nicht zusteht, und was denen, denen es zusteht, lächerlich erscheinen müsste wenn nicht sogar ein Stein des Anstoßes sein könnte (so ähnlich, wie ich an Fasching kein Nonnen-Habit und im Alltag kein afrikanisches Gewand tragen würde). Bei genauerer Betrachtung sind diese Bedenken aber wenig haltbar. Das sollte bei den nächsten Punkten klar werden.

2. Der zweite und auch der dritte Punkt beziehen sich auf die ich weiß nicht genau wie weit verbreitete Vorstellung, beim Dirndl, wie es heute getragen wird, handle es sich um die Jahrzehnte bis Jahrhunderte überlieferte traditionelle (Festtags-)Tracht des Alpenraums. Tatsächlich war das Dirndl ursprünglich Arbeitskleidung, wie sie von den weiblichen Bediensteten getragen wurde. Um 1870/1880 wurde es in Folge der Vorliebe Kaisers Franz Josefs für Dirndl und Lederhose (Jagdgewand) in Adelskreisen und im Großbürgertum beliebt (mehr Infos dazu hier). Dirndl hatten damit eine vergleichbare Funktion wie heute all die Landleben-, Landliebe-, Landlust-Magazine, die sich vor allem beim urbanen Bürgertum großer Beliebtheit erfreuen, uns das Bild eines idyllischen, naturnahen und heilen Landlebens vermitteln und dabei Landflucht, Zersiedelung, Schlafstädte und Autobahntrassen ausblenden. Der Adel feierte die ländliche Idylle und vergaß dabei wahrscheinlich meistens, dass sie nur allzu oft mit bitterer Armut verbunden war.

Trachtenbluse aus Tasovice (Jahrhundertwendezeit)

Trachtenbluse aus Tasovice (Jahrhundertwendezeit)

3. Was viele nicht wissen und was auch noch wenig erforscht und dokumentiert ist: auch der Nationalsozialismus bediente sich des Dirndls. Eine zentrale Rolle spielte dabei die Mittelstelle Deutsche Tracht in Innsbruck, deren Leiterin Gertrud Pesendorfer Trachtendarstellungen aus dem deutschsprachigen Raum und Europa zusammengetragen hat mit dem Ziel, eine einheitliche deutsche Tracht zu entwickeln. Die Zeit schreibt dazu in einem sehr lesenswerten Artikel: „Dirndln in der heutigen Erscheinungsform mit weißer Bluse und Betonung der Taille gelten als Erfindung dieser »Reichsbeauftragten für das deutsche Trachtenwesen«.“ Und diese Erfindung wirkt weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts unter anderem durch die unzählige Dirdl-Nähkurse, die Pesendorfer nach 1945 in Tirol gab, durch Pesendorfers Wirken als Beraterin von Trachtenvereinen und auch durch ihr 1965 erschienenes Buch „Lebendige Tracht in Tirol.“ Eine sehr gute und ausführliche Darstellung dazu findet sich im Magazin ECHO vom November 2013.

4. Dirndl, wie sie heute getragen werden, sind mit ihren weit ausgeschnittenen Blusen, der Betonung der Taille und ihren gebauschten Röcken Inbegriff des weiblichen wenn nicht gar sexy Kleidungsstücks. Irgendwie komme mir dabei immer Sprüche à la „da ist ein Mann noch ein Mann und ein Weib noch ein Weib“ in den Sinn und hey ich bin zwar eine Frau, aber hey ich bin aus dem Alter raus, in dem man glaubt, dass sich das durch irgendetwas, was man sich anzieht oder nicht anzieht, noch ändern könnte. Und ja: ich muss und möchte meine Weiblichkeit nicht in dieser Weise raushängen (sorry dieses Wortspiel konnte ich mir jetzt einfach nicht verkneifen) lassen (die ist eh dominant genug) . Klar ist auch die Möglichkeit, sich unhinterfragt freizügig kleiden zu können, eine feministische Errungenschaft, aber ich möchte diese Freiheit nicht in dieser Weise nutzen und es tut meiner „Weiblichkeit“ keinen Abbruch, wenn ich es nicht tue.

renitentes Crossdressing: Frl. Notter in Lederhosen

renitentes Crossdressing: Frl. Notter in Lederhosen

5. Das Tragen von Dirndl und Tracht ist heute in allen gesellschaftlichen Schichten und weltanschaulichen Gruppen zu beobachten, allerdings besonders häufig in konservativen und nationalen Kreisen (Wo wird die Heimatverbundenheit zur Heimattümelei?). Damit kann ich mich nicht identifizieren. Und mit einer Bierzeltkultur (dem zweiten Kumulationspunkt der Dirndl-Kultur) auch nicht. Deswegen wird das Dirndl wahrscheinlich nie mein Kleidungsstück werden.

Wichtige Schlussbemerkung: Ich möchte auf keinen Fall Dirndl-Näherinnen und Trägerinnen (z.B.im Rahmen des Sew Alongs) den Spaß am Dirndl verderben und schon gar nicht ihnen reaktionäre oder nationalistische Tendenzen unterstellen. Wir sind von vielen historischen Begebenheiten so weit weg, dass man textile Moden auch losgelöst davon einfach schön finden kann, bzw. noch besser: sie sich spielerisch aneignen kann (hier ein spannendes Interview dazu und zu allem vorher geschriebenen). Mir gelingt das aus den oben genannten Gründen eben (noch?) nicht.

Zweite nicht weniger wichtige Schlussbemerkung: Mir ist bewusst, dass nicht nur Dirndl und Tracht sondern alle Arten von Kleidung auch eine politisch-weltanschauliche Dimension haben. Als Besitzerin eines Näh-Blogs mit Hang zu figurbetonenden/figurformenden Moden, wie der der 50er oder der Jahrhundertwende, beäuge ich mich manchmal selbst kritisch und frage mich: Fräulein Notter, Sie bezeichnen sich als Feministin und dann nähen Sie sowas? Ich bin mir also durchaus meiner Selbstwidersprüchlichkeit bewusst.