Memento mori …und die Bucket -List

Totensonntag

Grabplatte auf dem Zentralfriedhof, Wien

Vorbemerkung: während es im letzten Posting, dem über Komplimente, zumindest noch am Rande um selbst Genähtes ging, hat das hier gar nichts mit Nähen und auch nichts mit Stoffen und Textilien zu tun. Wer hauptsächlich deswegen hier ist,  der/die möge stattdessen auf das morgige Posting zum Weihnachtskleid Sew Along warten.

Seitdem ich in einer katholischen Gegend lebe, bekomme ich das nicht mehr so mit, aber morgen ist Totensonntag. Wenn man sich da an die Toten erinnert, dann ist man zwangsläufig auch damit konfrontiert, dass man selbst nicht ewig leben wird, konfrontiert mit den schrecklichen Ereignissen von Paris, selbst in einer Großstadt lebend, gerade jetzt umso mehr. Bei mir dazu gekommen ist ein seltsames Phänomen (und das erzähle ich hier, weil mich hier niemand kennt ;-)): ich hatte ein einige Tage lang ein Zucken an der Oberlippe. Sowas ist in den allerallermeisten Fällen total harmlos aber in ganz ganz seltenen Fällen kann es auch der Vorbote einer schweren Nervenkrankheit wie ALS sein. Und da ich einen leichten Hang zur Hypochondrie habe, habe ich mich gefragt, was wäre, wenn ich diese Krankheit hätte und nun entsprechend erfahren würde, dass ich nurmehr 3-5 Jahre zu leben hätte. Was würde ich tun?

Da sind mir dann schon eine Dinge eingefallen, die ich dann noch würde tun wollen würde. Und die habe ich mir notiert. Und noch beim Aufschreiben dachte ich: Mensch, was machst Du da eigentlich? Das ist ja im Grunde eine Bucket-List und sowas wollte ich ja nie, das fand ich eigentlich immer ein wenig blöd.

Warum ich Bucket-Lists doof finde?

Also zunächst mal für alle die keine Life-Style-Blogs lesen: Eine Bucket-List ist eine Liste von Dingen, die man machen will, bevor man stirbt (“to kick the bucket” ist so etwas ähnliches wie “ins Gras beißen”). Glaubt man den Bucket-Lists, die so im Netz herumgeistern, besteht die Essenz allen menschlichen Strebens im Schwimmen mit Tieren, im Besuchen verschiedener touristischer Ziele und im Veröffentlichen von Büchern. Es ist super, wenn man sich was vornimmt und Spaß hat im Leben. Finde ich auch, und wem eine Bucket-List dabei hilft: go for it!

Ich hab da was mich betrifft meine Vorbehalte

  • Eine Bucket-List ist eine to-do-Liste. Eine to-do- Liste ist eine hilfreiche Sache, wenn man viele Dinge tun  muss, z.B. in der Arbeit oder um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. In allen anderen Lebensbereichen will ich nichts mit to-do -Listen zu tun haben, schon gar nicht will ich mein Leben als Ganzes anhand einer solchen abarbeiten.
  • Ich habe auch Träume. Aber die ändern sich. Vor ein paar Jahren wäre auf meiner Bucket-List sicher noch eine Japanreise gestanden. Wüsste ich jetzt, ich müsste sterben ohne in Japan gewesen zu sein, ich wäre nicht besonders traurig.
  • Ich würde nur Dinge auf eine Bucket-List schreiben wollen, die eine gewisse Dringlichkeit haben. Wenn sie die aber haben, dann tu ich sie gleich oder zumindest bald, ich nehme mir nicht vor, sie in den nächsten 20 oder 50 Jahren irgendwann zu tun.

Warum habe ich dann aber so eine Liste gemacht?

Die Liste, die ich geschrieben habe, war unmittelbar von dem Gedanken inspiriert, was ich tun würde, wenn ich nur noch kurz zu leben hätte: welche Dinge sind noch wichtig, welche noch “offen”? Und zwar wichtig und “offen” für mich als die Person, die ich jetzt bin. Gedacht habe ich mir beim Schreiben nicht viel, aber danach ist mir etwas wichtiges für mich klar geworden: wenn das alles (oder zum Großteil) Dinge sind, die mir wirklich wichtig sind und wenn ich es doch nicht undenkbar ist, dass ich nicht erst in 50 sondern vielleicht schon in 10, 5 oder einem halben Jahr sterbe (memento mori), dann sollte ich diese Dinge jetzt tun, oder doch zumindest so bald wie möglich.

Um das tun zu können, ohne gleichzeitig all das zu vernachlässigen, was man nicht vernachlässigen darf, wenn man davon ausgeht, dass man wahrscheinlich doch ein Weilchen länger leben wird, muss man sich auf ein paar wenige wirklich wichtige (oder einfach zu realisierende) Dinge beschränken. Und so habe ich mir ein paar Dinge für die nächsten Monate vorgenommen und bin schon ganz aufgeregt, was ich davon wie realisieren können werde (und auch, was in ein paar Tagen schon wieder so unbedeutend geworden ist, dass ich es wohl doch nicht tun muss).

Eine Sache habe ich schon gemacht und da war nicht der Gedanke leitend, dass ich sterben könnte, sondern eine andere Person (die, die es betraf, ist deutlich älter). Meine Oma ist vor 2 Jahren gestorben und es gibt so viel, was ich ihr gerne noch gesagt hätte oder gerne noch für sie getan hätte, und ich möchte, dass ich nie mehr jemandem in dieser Form so viel schuldig bleiben muss. In sofern ist die Liste nicht nur inspiriert von einem  “Mensch bedenke, dass Du sterben musst”, sondern vor allem auch vom Gedanken daran, dass andere Menschen , die einem etwas bedeuten, nicht ewig leben werden

Ich hoffe ich habe Euch mit diesen Gedanken jetzt nicht traurig gemacht und wünsche Euch einen schönen Sonntag (was auch immer er für Euch bedeutet).

 

 

 

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