Gerade noch im Lungensanatorium…oder: warum ich einfach keinen Tweedride verpassen kann

Gerade noch im Lungensanatorium...

Gerade noch im Lungensanatorium…


Ihr wisst schon welches , oder? (Leider habe ich kein Röntgenbild zu verschenken und ich glaube es wollte auch niemand haben ;-))
...schon beim Tweeedride

…schon beim Tweeedride

Heute war wieder Tweedride. Weil ich gerade eben erst wieder gesund geworden bin, wollte ich noch kein Risiko eingehen und bin deswegen nicht mit Rad gefahren. Aber ganz auslassen konnte ich den Tweedride auch diesmal nicht und so habe ich mich zumindest zur Teepause dazugesellt (angereist bin ich mit den Öffis/zu Fuß). Warum ich einfach keinen Tweedride auslassen kann:
1. Man trifft jede Menge anderer Vintagefreunde und darf tolle Kleider und Frisuren bewundern

Vintage beim Vienna Tweedride

Vintage beim Vienna Tweedride


noch mehr Vintage, noch mehr Kreativität

noch mehr Vintage, noch mehr Kreativität

2.Der Tweedride beweist, dass Radfahren stilvoll, ohne Sportkleidung und in gemütlichem Tempo möglich ist

Tweedride-Style

Tweedride-Style


rote Akzente

rote Akzente


3.Der Tweedride ist eine der wenigen Veranstaltung, wo Männer sartorial ihr Bestes geben (und noch dazu in der Überzahl sind- selten für Veranstaltungen, bei denen es um Stil und Kleidung geht)
Gentlemen

Gentlemen


die Beine derselben

die Beine derselben


Tweedride-Style

Tweedride-Style


4.Beim Tweedride trifft man Menschen, die auf “altes Zeugs” stehen und auf eben dieses
Hochrad

Hochrad


5. Und nicht zuletzt: man trifft Freunde
Tweedride-Gründer David

Tweedride-Gründer David

Bilder: von mir und von Peter Provaznik (wenn ich drauf bin)

Danke Peter

Danke Peter

Hut: Vintage Flo
Handschuhe: Erbstück
Fake Fur: Orsay
Rock: selbst genäht (hier beschrieben)
Mantel: Hallhuber
Tasche: Carla (Caritas Laden)

Kleidung nach historischen Schnitten im Alltag?

Heute teste ich, ob ich meinen 3-Bahnen-Rock nach einem Schnitt von 1908 (das Schnittdiagramm stammt aus einem alten Handarbeitsbuch und wird von Marquise kostenlos auf ihrer Homepage zur Verfügung gestellt) den ich ursprünglich für die Practicability Challenge der Historical Sew Monthly genäht habe und mit dem ich eigentlich mal bergwandern wollte, wie unsere Urgroßmütter es getan haben, auch im Alltag tragen kann. Erste Zwischenbilanz: geht schon, aber irgendwie erinnert mich mein Outfit doch zu sehr an fundamentalistische christliche Gruppierungen (hier schonmal diskutiert), lange Röcke müssen schon sehr schick und ausgefallen kombiniert werden, damit das nicht der Fall ist. Deswegen wandert der Rock wohl erstmal in die historische Kiste, aus der er rausgeholt wird, wenn spezielle Events anstehen oder eben eine Bergwanderung ;-).

Jahrhundertwenderock mit T-shirt

Jahrhundertwenderock mit T-shirt

mit  Jäckchen

mit Jäckchen

...und mit Streifen

…und mit Streifen

Jetzt zeige ich ihn aber erstmal beim MeMadeMittwoch.

Am aufsteigenden Ast

im Botanischen Garten

im Botanischen Garten

Nachdem mir hier so viele von Euch gute Besserung gewünscht haben und liebe Grüße und Gedanken da gelassen haben, über die ich mich sehr gefreut habe und die mir über eine schwierige und oft einsame Zeit hinweggeholfen haben, wollte ich Euch auch an den positiven Entwicklungen teilhaben lassen: Heute war ich nach langer, langer Zeit endlich mal wieder 20 Minuten im Botanischen Garten spazieren, fast ohne Gleichgewichtsprobleme und fast ohne Herzklopfen! Und es war so schön! Und ich will das jetzt jeden Tag machen (realistisch sein: fast jeden). Kurz nach meinem vorletzten Posting wurde von der Lungenärztin tatsächlich eine Lungenentzündung diagnostiziert und ich bekam ein weiteres Antibiotikum, dessen Beipackzettel zwar einem Horrorroman gleicht (da kann man diverse Tode sterben), das aber endlich angeschlagen hat. Das Fieber sank und ich konnte besser husten. Einen “kleinen” Rückschlag gabs dann vor etwas mehr als einer Woche als ich mit Atemnot (hatte ich vorher gar nicht) ins Krankenhaus gekommen bin, wo ich dann eine Nacht bleiben durfte (für mich hat sich das erstaunlicherweise wirklich wie “dürfen” angefühlt, endlich fühlte ich mich sicher und medizinisch/pflegerisch gut versorgt). Danach ging es dann wirklich bergauf. Das erste Essen, das ich mit Appetit gegessen hab, war interessanterweise das Krankenhausfrühstück- seitdem esse ich jeden Tag 4-5 Mahlzeiten: hauptsächlich Käse, Bohnen, Gemüse, Lebkuchen und (Vegetarier und Veganer bitte weghören): Fleisch! Scheine Eiweiß zu brauchen, was mich nicht wundert, wenn ich mir meine spindeldürr gewordenen Beinchen anschaue: dort wo früher die Stiefel kaum zuzubekommen waren, klafft ein 2 cm breiter Spalt. Schon erstaunlich, in welch kurzer Zeit sich der Körper verändern kann, wenn man ihn kaum bewegt. Entsprechend wackelig war ich bei den ersten Ausflügen auf den Beinen: der Weg zum Taxistand an der nächsten Straßenecke erschien mir beinahe unüberwindlich und ich war fertig und komplett außer Atem, als ich dort angekommen war. Umso erstaunlicher finde ich, dass die 20 Minuten im Park heute schon so gut geklappt haben, und ich bin zuversichtlich, dass ich bald wieder soweit hergestellt bin, dass ich arbeiten gehen kann und all die anderen schönen Dinge machen kann, die man im Krankenstand nicht machen kann (wie zum Beispiel im Stoffladen stöbern oder (warme) Unterwäsche kaufen :-)). Trotzdem wird es sicher noch einige Wochen bis Monate dauern, bis ich wieder ganz die Alte bin, aber damit kann ich gut leben.

Natürlich habe ich mich in den letzten Tagen immer wieder gefragt, warum ich eine Lungenentzündung bekommen habe: War es das Bad im 19 Grad kalten Attersee Mitte September? Habe ich mich bei der Husten mit Fieber-Krankheit meiner Sohnes angesteckt? Habe ich eine Viruserkrankung verschleppt? Vielleicht durch zu strenge Bettruhe? Nehme ich mir generell zu viel vor (auch in der Freizeit, z.B. beim Nähen)? Gibt es ein anderes, bisher unerkanntes Gesundheitsproblem? Eine wirkliche Antwort habe ich nicht gefunden. Vorgenommen habe ich mir aber, meiner Gesundheit in Zukunft wirklich eine höhere Priorität einzuräumen (wie mir auch viele von Euch geraten haben): mehr Bewegung draußen, besser Händewaschen, weniger Stress, mehr Spaß! Ich weiß, dass mich das alles nicht komplett vor Krankheiten schützen wird, aber hoffentlich werde ich ein wenig weniger häufig und weniger schwer krank sein. Euch vielen lieben Dank für die tolle Unterstützung! Passt auf euch auf!

Mode im Museum

Was kann man tun, wenn das modische Highlight der Woche darin besteht, dass die Lieblingsschlafanzughose wieder gewaschen ist? Sich an die modischen Highlights der vergangen Monate erinnern! Und da fallen mir neben gemütlichen Nähstunden und selbst genähten (oder fremd gestrickten) Lieblingsstücken vor allem diverse Museumsbesuche in letzter Zeit ein, die mir erwarteter- oder unerwarteterweise modische, sartoriale oder textile Sternstunden beschert haben. Alle die selbst nähen oder sich für historische Kleidung interessieren, werden die Freude und Aufregung kennen, wenn in einem Museum plötzlich so ein Glaskasten auftaucht mit einem original Biedermeierfrack oder einem Kleid aus der Jahrhundertwendezeit. Dann wird die Nase am Glas platt gedrückt, versucht Schnittführung und Konstruktion zu durchschauen und ehrfürchtig geschwärmt. Da gibt es immer wieder ganz wunderbare Ausstellungen und ich mag gar nicht daran denken, was wir in Wien (das wohl eine der größten Modesammlungen Europas besitzt) alles sehen könnten aber de facto nicht zu sehen bekommen, weil es kein Modemuseum gibt und sich von den Verantwortlichen niemand für Mode zu interessieren scheint (vielleicht, weil das eine weibliche Domäne ist und diese also solche als nicht ernst zu nehmend angesehen wird) Ich schweife ab. Was ich sagen wollte: Glaskastenausstellungen sind super, aber noch schöner ist es, wenn sie durch andere Formen der Präsentation ergänzt werden. Ich will von dreien berichten, die mich besonders beeindruckt haben.

1. Kleidung nach historischem Vorbild an echten Menschen- das Arbaer Freilichtmuseum in Reykjavik/Island
Im Arbaer Freilichtmuseum in Reykjavik (das ich ganz generell nur wärmstens empfehlen kann) gibt es nicht nur eine Glaskastenausstellung mit verschiedenen historischen Trachten (und Trachtenerfindungen ;-)) aus Island, die – wie soll ich sie nennen? “Aufseher” würde es am allerwenigstenn treffen – also: das durchwegs junge, entspannte “Museumspersonal” trägt ebenfalls Kleidungsstücke nach historischem Vorbild, und alle können auch etwas dazu sagen: was sie da tragen, aus welcher Zeit es stammt und welcher Schicht sie angehört hätten. Aber nicht irgendwie in Form eines langweiligen, auswendig gelernten Vortrags sondern wirklich nett und spannend.

Tochter der Pfarrers, um 1900, Arbaer Freiluftmuseum

Tochter der Pfarrers, um 1900, Arbaer Freiluftmuseum

Mit der jungen Frau auf dem Bild bin ich eine halbe Stunde in der Wiese gesessen, und sie hat mir erzählt, was sie da anhat, aber auch, wie das im Museum funktioniert mit dem Einkleiden (am Anfang bekommt man etwas, was jemand anders schon getragen hat, und wenn man dann lange genug dabei ist, wird einem ein Kostüm auf den Leib geschneidert, worauf dann alle sehr stolz sind) und welche Trachten heute noch zu welchen Gelegenheiten getragen werden. Wenn sie nicht gerade von neugierigen Besucherinnen wie mir belagert werden, verkaufen die jungen Leute im Museumsladen, spielen mit Besucherkindern, machen Skyr (eine Milchprodukt, ähnlich wie Yoghurt oder Topfen, ur-lecker und leider hier nirgends zu bekommen), lassen Kinder auf dem Museumspferd reiten oder improvisieren Popsongs auf dem verstimmten Museumsflügel.

Einfaches Frauengewand, Mitte 19. Jahrhundert, Arbaer Freilichtmuseum

Einfaches Frauengewand, Mitte 19. Jahrhundert, Arbaer Freilichtmuseum

2. Kleidung nach historisch Vorbildern zum selbst Anprobieren – das Gemeentemuseum in Den Haag
Das ebenfalls sehr empfehlenswerte (auch für nicht an Mode Interessierte- falls ich solche Leserinnen oder Leser überhaupt haben sollte ;-)) Gemeentemuseum in Den Haag hat zur Zeit eine spannende “Glaskastenausstellung”: zum Einfluss asiatischer Stoffe und Formen auf die europäische Mode verschiedener Jahrhunderte. Und dann git es noch die Wunderkammern, ein Museumsbereich eigentlich für Kinder und Jugendliche, aber manchmal bin ich gerne auch noch ein wenig Kind und entsprechend gut hat es mir auch dort gefallen. Die wunderbarste Wunderkammer hat sich bis fast zum Schluß vor mir versteckt: ein Raum mit feinstens gearbeiteten “Reproduktionen” (leicht abgeändert, um sie leichter und auch ohne die entsprechende Unterwäsche anziehen zu können) historischer Kleider aus verschiedenen Epochen, in verschiedenen Größen (für Kinder und Erwachsene) und alle in bezauberndstem, unschuldigen Weiß. Und das Allerschönste: man durfte die tatsächlich anprobieren. Ihr könnt Euch sicher vorstellen, das ich mich im 7. Kostümhimmel befunden habe.

Gemeentemuseum Den Haag, Wonderkamers

Gemeentemuseum Den Haag, Wonderkamers

Frl Notter im Glück

Frl Notter im Glück

3. Experimentieren mit neuen Formen – die Aktion “Stilbrise” des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg
Mein Besuch im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe ist nun schon über eineinhalb Jahre her und auch dieses Museum kann ich nur wärmstens empfehlen: ich habe dort glaub 5 Stunden verbracht und dann haben sie zugesperrt, sonst wäre ich noch weitere 5 Stunden oder so dort geblieben ;-). Da gab es damals eine großartige Ausstellung zum “Mythos Chanel” und weil da das “kleine Schwarze” ja eine besondere Rolle spielt, hatten sie einen Raum, mit “Kleidungsstücken” (eher verschiedene “Stoffskulpturen”) aus schwarzem Neopren, die man sich ganz unterschiedlich anziehen konnte. Gedacht war das so, dass man sich darin fotografiert und die Bilder unter #stilbrise auf Instagram postet. Das mit Instagram habe ich nicht hinbekommen (bin schon froh, dass ich das mit dem Blog hier hinbekomme) aber die Bilder habe ich noch.

Jacke Stilbrise

Jacke Stilbrise


Vor allem der Rock aus den kreisförmigen Neoprenstücken hat es mir angetan. So einfach und doch so effektvoll. Ich glaub sowas muss ich mir mal nähen.
Rock Stilbrise

Rock Stilbrise

In allen drei Museen kann man Kleidung und Mode also nicht nur sehen, sondern auch anfassen und erleben und genau das ist es ja, was uns an Kleidung und Mode so fasziniert: was sie aus Leuten macht und wie wir uns fühlen, wenn wir sie tragen.
Wenn Ihr weitere Museen kennt mit spannenden Modeausstellungen und Kleidung zum Anfassen, freue ich mich sehr über Empfehlungen! Wenn ich wieder gesund bin, mag ich mir die alle mal anschauen- und bis dahin entwerfe ich im meinem Kopf überaus stilvolle Schlafanzughosen 😉