Das Reformkleid ist fertig…und wohin mich das führt

Projekt Reformkleid

Projekt Reformkleid

Beim MeMadeMittwoch zeigen heute Nähbloggerinnen, welche selbst genähten Stücke ihnen im Urlaub besonders Freude gemacht haben. Da ich im August nicht weg war, möchte ich Euch stattdessen zeigen, was ich in den letzten Wochen fertig genäht habe und auch ein wenig drüber nachdenken, wohin mich die Näherei in den nächsten Monaten führen soll. Vor ziemlich langer Zeit hatte ich schon mal die Rohversion eines Reformkleides genäht (es war eines meiner ersten “Werke” überhaupt). Es passte nicht richtig, es hatte keinen Reißverschluss, es fehlten Ärmel und gesäumt war es auch noch nicht. So hing es dann über ein Jahr am Schrank und ich wusste nicht recht, was ich damit anfangen soll. Für den Sommer hatte ich mir ja vorgenommen, eine Nähpause zu machen oder zumindest weniger zu nähen, und da hat mich das Reformkleid plötzlich wieder angelacht. Ich habe einen Reißverschluss eingenäht, einige Nähte wieder aufgetrennt, um die Möglichkeiten des Prinzessschnittes bis zu den Grenzen der Nahtzugabe auszunutzen, den Rockteil gesäumt und Armausschnitte und Ausschnitt einfach (quick and dirty) mit Schrägband versäubert. Ärmel und alles andere was ein jahrhundertwendeadäquates Kleid gebraucht hätte, wollte ich da gar nicht mehr, ich fand es so wie es war- roh- interessant. Und dann habe ich mich an meine Bluse vom Weihnachtskleid erinnert und siehe da, sie passte drunter und gemeinsam mit schnell noch gezauberten Spitzenärmelabschlüssen hat mich das Ensemble tatsächlich ein wenig an dieses Flöge-Kleid erinnert.

Ja und dann wurde gepicknickt:

Picknick mit Bär

Picknick mit Bär

..mit Alice von aliciouslog sowie zwei adretten Herren, die es vorziehen anonym zu bleiben.

Reformkleid

Reformkleid

Reformkleid von hinten

Reformkleid von hinten

“wie früher”

Reformkleid (am Abend leicht in Auflösung)

Zu meiner Überraschung trage ich das Kleid (das alles andere als perfekt ist und sicher ziemlich “selbst genäht” aussieht) auch im Alltag. Ich mag daran, dass ich weiß, dass es auf Grundlage eines sehr alten Schnittes entstanden ist, dass es aber durch seine Schlichtheit durchaus auch was Modernes hat.

Reformkleid im Alltag

Reformkleid im Alltag

...mit Mängeln aber auch Potential

…mit Mängeln aber auch Potential

Und das bringt mich zu meinen Zukunftsplänen fürs Nähen. Immer nur moderne Schnitte 1:1 nachzunähen, interessiert mich nur bedingt (ich mag das eigentlich nur machen, wenn ich mir so etwas besonders Schönes exakt nach meinen Vorstellungen nähen kann, was ich nicht kaufen könnte), historische Schnitte möglichst historisch korrekt nachzuarbeiten, interessiert mich aber auch nur bedingt (mit der Grund, warum ich meine ambitionierten Pläne bezüglich des “Historical Sew Monthly” aufgegeben habe- weiß nicht, ob es jemand gemerkt hat ;-)). Schließlich mag ich die Sachen im Alltag und nicht nur zu irgendwelchen Kostümevents tragen. Was mir vorschwebt, ist das fortzusetzen und auszubauen, was ich beim Reformkleid gemacht habe: auszuprobieren, wie sich historische (oder auch andere ausgefallenere Schnittideen und -kombinationen) für “moderne” Kleidungsstücke verwenden lassen, um letzten Endes noch mehr “mein eigenes Ding” machen zu können. Vielleicht entsteht ja auf diesem Wege bereits was für meine “Eisprinzessinnen-Wintergarderobe” vielleicht aber auch erst einmal nur eine Serie von untragbaren Musselins, was auch völlig OK wäre.

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20 thoughts on “Das Reformkleid ist fertig…und wohin mich das führt

  1. Was Styling alles ausmacht!
    Mit der züchtigen Bluse drunter und der Frisur scheint das tatsächlich ein ganz anderes Kleid wie das Maxidress auf den letzten Fotos. Beides ist ganz richtig, je nach Anlass….
    Die Arbeit hat sich definitiv gelohnt!

  2. Überraschend, wie wandelbar der Schnitt ist. Mit Bluse siehts wirklich nach Jahrhundertwende aus, ohne ganz modern. Ich bin gespannt, wie du dein Vorhaben mit den historischen Schnittideen für Alltagskleidung umsetzt. Bei Deer&Doe gibts z.B. gerade einen neuen Schnitt für einen Maxirock, der erinnert mich zwar zuerst an die 1970er, aber wenn man weiter zurückgeht dann landet man wieder bei der Jahrhundertwende. Spannend!

    • Vielen Dank für den Hinweis auf Deer ans Doe! Die haben wirklich sehr schön konstruierte Sachen. Wahrscheinlich beschäftigen sich die meisten guten Schnittdesigner auch mit Schnitten vergangener Epochen. Es kommt ja alles wieder – sowie es in den romantischen 70 ern tatsächlich ein jahrhundertwende revival gegeben hat.

  3. Toll dein Kleid!!! Solche Picknicks sind auch einfach klasse, ich mag das historische Verkleiden (Genau wie du, kein Reenactment :)) auch sehr gerne. Und finde deine Idee supertoll, historisch anmutende Kleidung in die Alltagswelt zu bringen und dementsprechend umzusetzen. Da bin ich sehr sehr gespannt darauf. Es gab in einer Burda (Dezember? November?) vor ca zwei Jahren schon mal belle-epoque ähnliche Schnitte mit Spitzenblusen und dergleichen. Oder Kleider im Sherlock-Holmes Stil wären ja auch klasse…

    • Danke für Ermutigung und Motivation! Ja, solche Picknicks sind sehr nett, vor allem wenn es ein wenig kreativ und nicht zu streng zugeht. Bei den Tweedrides ist das auch immer sehr nett.
      An das Burda-Heft erinnere ich mich, ich glaube da fand ich eine Jacke ganz interessant.

      • ich wollte dir gerade eine Mail schreiben, weil du nach dem Event gefragt hast, aber konnte deine Mailadresse nirgends finden? (Mag auch an meinem technischen Unvermögen liegen :))

  4. Dein Reformkleid ist ohne Bluse absolut tragbar und schick.Ich könnte es mir ggf. auch mit einem Shirt gut vorstellen. Solche Trägerröcke sind im Grunde ja doch zeitlos, daher haben sie wohl auch die Jahrhunderte überdauert. Ohne Bluse darunter scheint der schöne Ausschnitt auch besser zu sitzen.
    Viele Grüße, Stefanie

    • Eine interessante Beobachtung mit besseren Sitz ohne Bluse! Vielen Dank! Ich glaube der Ausschnitt ist auch ohne Bluse drunter ein wenig ein Problemfall, da wäre eine gescheite FBA und “staystitching” von Nöten gewesen. so ist eher etwas “lommelig” aber das Blusengewurschtel drunter trägt sicher seinen Teil bei…
      Liebe Grüße
      Frl. Notter

  5. Das ist so spannend, zu sehen ,wie du die Kleidung mal “historisch“ und dann wieder ganz modern interpretierst. Ich bin sehr gespannt, wie es auf deinem Blog weitergeht.
    Viele Grüße
    Friedalene

  6. Pingback: Weihnachtskleid Sew-Along Teil1 : Eisprinzessin oder Salondame? | Blumen und Federn

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