Projekt Reformkleid

Seit einiger Zeit wünsche ich mir ein Reformkleid, so wie es zum Beispiel Emilie Flöge (die vor allem als Muse Klimts bekannt ist, tatsächlich aber auch eine damals sehr bekannte Modeschöpferin war) getragen hat. Generell fühle ich mich sehr von der Mode der Jahrhundertwendezeit angezogen, habe aber weder die für die damalige Zeit erforderliche Taille (für die meisten Frauen bereits seit ihrer Jugend Korsett hätten getragen haben müssen) noch wünsche ich mir eine solche. Und ohne entsprechende Figur bzw. entsprechenden Unterbau sehen die Röcke, Blusen und Kleider einfach nicht „richtig“ aus. Da kommt mir das Reformkleid sehr entgegen: Schon damals war das Korsett nicht ohne Kritiker und vor allem Kritikerinnen. Das sog. Reformkleid war eine Antwort auf diese Kritik.
Genaugenommen gibt es „das Reformkleid“ allerdings gar nicht, sondern viele ganz verschieden geschnittene Kleider, die alle gemeinsam haben, dass sie nicht oder nur wenig tailliert sind und von der Brust (oder von unter der Brust-Kleider mit Empire-Taille waren in diesem Zusammenhang ebenfalls sehr beliebt) an locker herabfallen ohne einzuengen und einzuschnüren. In seiner ausgeprägtesten zeltartigsten Form, so wie es von Flöge getragen wurde (siehe auch hier), fand es allerdings dann doch wenig Liebhaberinnen und bleib der modischen bzw. künstlerischen Avantgarde vorenthalten. Wahrscheinlich deshalb habe ich dann auch keinen „Zeltschnitt“ gefunden sondern lediglich einen Schnitt für ein moderates Reformkleid mit Prinzessschnitt (Schnitt unter Prinzeß-Reformkleid hier), und zwar auf der wunderbaren Seite von Marquise, auf der man Schnitte aller Jahrhunderte finden kann.

Schnittvorlage

Der Schnitt stammt aus einem Buch für Hobbyschneiderinnen von 1908 und bezieht sich auf das Futter. Im Gegensatz zu heute wurde damals wohl das Futter aus festem Material gearbeitet, um dem Kleid so Form zu geben, und dann dünnerer Stoff draufdrapiert. Ich hab mich nach jetzt mal entschieden ein Nur-Futter-Kleid zu machen. Authentisch ist das überhaupt nicht, vermittelt aber zumindest mal einen Eindruck über Silhouette und Tragegefühl.

Dass das keine Mehrgrößenschnitt mit schrittweiser Anleitung und Nahtzugabe sein würde war eh klar. Und auch aufs Vergrößern hatte ich mich eingestellt. Wie die Teile zusammengehören könnten und welche Linie wozu gehört, war dann doch ein wenig knifflig. Positive Überraschung: Der Schnitt passt ohne große Änderungen (nur den Abnäher unterm Arm habe ich etwas enger gemacht) gleich ganz passabel. Die Abnäherpfuscherei hat dann zu ein paar unschönen Falten geführt, oben in der Mitte habe ich wohl zu viel abgeschnitten (sollte wohl endlich mal ein Buch über Schnittanpassung lesen!) und hinten wird’s ein wenig eng, aber für einen ersten Eindruck zum Tragegefühl taugt es allemal. Im Alltag werde ich es dann wohl doch nicht anziehen.

Reformkleid nähen

Jetzt fehlen noch: Kragen oder Ausschnitt, Saum und Ärmel. Für die Ärmel gibt es bei Marquise auch einen Schnitt aber da habe ich noch nicht herausgefunden, wie das funktioniert. Beim Kragen schwanke ich zwischen Kragen und größerem Ausschnitt und beim Saum muss ich noch überlegen, wie ich damit um gehe, dass die verschiedenen Schnittteile auf sehr unterschiedlichen Höhen enden. Ja und dann wollte ich ja eigentlich gar kein schwarzes „Altefrauenkleid“, sondern was mit Muster z.B. angelehnt an die Entwürfe der Wiener Werkstätte. Da werde ich wohl noch ein wenig überlegen, nach Vorlagen suchen und vielleicht sogar meine Stickkenntnisse ausbauen??? Bin jedenfalls für Vorschläge dankbar.

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4 thoughts on “Projekt Reformkleid

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  4. Das werde ich dann mal gespannt verfolgen, da ich eher zu “von alter Mode inspiriert” neige, aber eine Modernisierung von solchen Schnitten finde ich total spannend.

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